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Wie wir uns die Schule vorstellen
Eine organisierte Einrichtung für
Bildung ist notwendig. Sie ist Grundlage für eine gesellschaftliche Teilhabe,
des Formulieren der eigenen Interessen und Bedürfnisse. Sie ist Lebens- und Lernort für Kinder und
Jugendliche und gehört zum sozialen Umfeld.
Hier sollten die Schüler/innen erfahren, wie man lernt, wie man als Gruppe zusammen lebt, wie man Probleme meistert und
Konflikte löst. Dies geschieht im Klassenzimmer,
auf dem Schulhof und davor. Wie und was man lernt, wie man Probleme und Konflikte löst, hängt davon ab
was an Schule passiert. Konkurrenzdenken
und Leistungsdruck vermitteln andere Techniken als gemeinschaftliches Lernen. Schule lässt sich
nicht vollständig unabhängig von Gesellschaft verändern. Sie ist ein fester Bestandteil des Systems. Eine Schule,
die nicht in die Gesellschaft hinein wirkt und nicht von ihr geprägt wird, funktioniert
nicht.
Unser Menschenbild
Um eine Schule für den Menschen zu
entwickeln, muss man eine Vorstellung von ihm haben:
Der Mensch ist ein selbstbestimmtes,
mündiges Wesen. Jeder
Mensch hat das Recht auf eigene
Entscheidungen. Auch, wenn die Kindheit nicht frei von Einflussnahme von Eltern, Erzieher/innen,
Lehrer/innen, ... sein kann und darf, muss dem Kind im Rahmen seiner Entwicklung dieses
Recht mehr und mehr zuerkannt werden.
Der Mensch kann nur in der
Gemeinschaft Mensch werden. Kein Kind kann sich alleine
entwickeln, kein Mensch ohne andere Menschen existieren. Die Gemeinschaft (Gleichaltriger) ist Sozialisationsort und
Lernfeld, gibt Sicherheit und Geborgenheit. Der Mensch ist ein soziales Wesen.
Der Mensch ist bestimmt durch die
Verhältnisse, in denen er lebt. Prioritäten, Werte und Einstellungen werden natürlich durch
die Umgebung geprägt, in der ein Mensch lebt, ein Kind aufwächst. Die
Lebenswirklichkeit eines Menschen in der dritten Welt prägt anders, als es die
Lebenswirklichkeit in Deutschland tut.
Der Mensch ist ein ganzheitliches
Wesen. Lernen ist
nichts rein Kognitives: Verstehen ist weniger als begreifen, begreifen weniger
als tun. Bildung findet durch Gerüche, durch Geräusche, durch Modelle zum
Anschauen und Anfassen statt und nicht zuletzt durch Herstellen und
Ausprobieren.
Tätig werden liegt in der Natur des
Menschen. Learning
by doing ist der natürlichste Weg, sich
Dinge anzueignen. Man lernt diskutieren in hitzigen Debatten, die einem etwas bedeuten. Man lernt denken, beim
gedanklichen Durchdringen von Themen, die einen bewegen. Kochen oder Schmieden lernt man
nur an Herd oder Esse. Andauernde
Untätigkeit macht nicht glücklich.
Funktion von Schule - Kritik an Schule
im Kapitalismus Schule orientiert sich in dieser Gesellschaft
notwendigerweise an den Bedürfnissen des Kapitals, statt an den Menschen.
Schulkritik ist deswegen immer Kapitalismuskritik:
Schule dient der Qualifikation der
Ware Arbeitskraft. Die
Qualifikation als Arbeitskraft reduziert
den jungen Menschen auf seine Verwertbarkeit am Arbeitsmarkt. Die Intention von
Schule ist die Behandlung des Menschen als Mittel bzw. als Objekt, nicht als Subjekt. Die Schüler/innen werden
also nicht für sich gebildet, sondern für einen äußerlichen gesellschaftlichen Zweck. Dementsprechend
werden die Jugendlichen fremden
(staatlichen oder vom Staat gesicherten) Interessen unterworfen. Was sie wollen, was sie interessiert zählt
nicht.
Schule differenziert geistige und
körperliche Arbeit.
Schule wertet geistige Arbeit höher als
körperliche und bringt damit junge Menschen hervor, die hochqualifiziert andere verwalten und Beherrschen und eine
Mehrheit von Jugendlichen, die Arbeiten ausführen
und freie Zeit für eine Minderheit produzieren sollen. Diese Wertigkeit ist das
Resultat des Ausbildungsprozesses, den
es zu verändern gilt.
Schule formt den Staatsbürger. Schule vermittelt systemkonformes Wissen. Kritik ist zwar erlaubt und sogar erwünscht,
der Rahmen der Schule oder gar der Gesellschaft darf aber nicht angetastet
werden. Die Staatsbürgerkunde dient der Identifikation/Anerkennung des
Rechtsstaates der Bundesrepublik Deutschland. Die Schüler/innen dürfen zwar
frei Denken, aber nicht frei handeln. Jede/r kann den Lehrplan kritisieren,
angewendet werden muss er sowieso. Der Zweck des Mitredens ist nicht die
Herausbildung einer kritischen, selbstbestimmten Persönlichkeit, oder gar die Überwindung
der herrschenden Ordnung, sondern deren Stabilisierung und die Identifikation
mit ihr. Die Schüler/innen sollen das Gefühl haben, nicht unmündig zu sein, aber auch nicht die Möglichkeiten zur
Veränderung aufgezeigt bekommen.
Schule selektiert junge Menschen. Schule produziert und wiederholt
soziale Unterschiede. Die Herstellung der sozialen Unterschiede rechtfertigt
sie ideologisch durch eine vermeintliche Hoch-, Normal- oder Minderbegabung der
unterschiedlichen Schüler/innen und behauptet, dass homogene Gruppen besser
lernen. Die jungen Menschen werden durch Noten klassifiziert. Das Notensystem
wertet sie auf oder ab. Die vergebenen Noten stehen immer nur im Zusammenhang
mit dem Klassenverbund, sind also nie wirklich objektiv. Der Bildungsinhalt ist
nur ein Mittel zur Auslese, und sein Begreifen ist nicht der Zweck der Bildung.
Die physischen Folgen der Abwertung können schrecklich sein.
Schule lehrt Konkurrenz. Die Schüler/innen werden durch
Selektion und Konkurrenz gespalten. Sie sollen nicht gemeinsam leben und
lernen. Die jungen Menschen sollen lernen sich durchzusetzen, von den anderen
abzuheben und ihre Leistung allein zu erbringen. Wer das nicht kann oder will,
soll begreifen, dass er/sie sich von anderen steuern lassen muss. Damit lehrt
Schule die Ellenbogenmentalität der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Selektion und
Konkurrenzverhalten folgen der Logik des Kapitalismus, in dem es immer auch
Verlierer/innen geben muss, damit es
Gewinner/innen geben kann. Nicht alle
Schüler/innen können Manager/in und auch nicht alle können Schuhputzer/in
werden.
Schule soll Arbeitstugenden
vermitteln. Die
Schüler/innen werden auf das Reibungslose
Sicheinfügen in den Arbeitsprozess vorbereitet. Arbeitstugenden werden um der Selektion willen gefordert: Fleiß,
Ordnung, Zuverlässigkeit werden als Zwecke, nicht als Mittel begriffen. Sie
dienen zur Disziplinierung, nicht zur sinnvollen Gestaltung von Lernen und
Zusammenleben. Tugenden werden mess- und kontrollierbar gemacht, sie werden
benotet.
Schule bildet nicht umfassend. Selbst die Vermittlung von
allgemeinen schulischen Grundlagen, wie Lesen, Schreiben, Rechnen, die alle
Menschen benötigen, um in der Gesellschaft überleben zu können (damit diese in
der Lage sind ihre Arbeitskraft wieder herzustellen (Reproduktion)) scheitert
bei einer ganzen Reihe von Schüler/innen schon durch die Selektion. Wo diese
Vermittlung von allgemeinen Kulturtechniken gelingt, ist dies aber auch noch
keine Garantie für Teilhabe an Gesellschaft. Gesellschaftliche Chancen sind
weitestgehend unabhängig von Schule. Durch Selektion erfolgt auch ein Ausschluss
von Bildung. Die Schüler/innen sind um ihre Leistungen zu erbringen oft auf den
zusätzlichen Erwerb von Bildung von gewerblichen Anbietern angewiesen. Die finanziellen
Möglichkeiten der Eltern dieser Notwendigkeit nachzukommen, sortiert Schüler
und Schülerinnen zusätzlich nach sozialer Herkunft. Bei späterer Bildung wie der
Universität aber auch anderen Weiterbildungen, schlägt dies durch Gebühren auch
bei staatlichen und halb-staatlichen Institutionen durch. Die Konkurrenzdenken,Selektion
und Arbeitsmarkorientierung widersprechen der Idee von Bildung.
Schule übt soziale Kontrolle aus. Schule nötigt zur Anwesenheit und
bestimmtem Verhalten. Der Schulpflicht ist folge zu leisten und
Selbstbestimmung fehl am Platz. Damit soll sie den Schüler/innen vermitteln,
sondern dass auch der Staat ein Anrecht auf die Menschen hat. Niemand lernt
durch Zwang!
Schule reproduziert das klassische
Rollenbild von Mann und Frau. Das klassische Rollenbild von Mann und Frau unterdrückt die
Frau in doppeltem Sinn. Sie wird im Arbeitsprozess ausgebeutet und für ihre
Tätigkeiten im Haushalt und bei der Kindererziehung nicht bezahlt. Zudem
billigt ihr das vorherrschende Bild keine gleichwertigen Rechte gegenüber dem
Mann zu. Dies wird in Schule nicht zureichend aufgebrochen. Fortschrittliche
und alternative Lebensmodelle werden nicht aufgezeigt.
Schule bildet Hierarchien ab. Schule legitimiert die
gesellschaftliche Hierarchisierung durch die Vergabe von Bildungsabschlüssen
und den damit verbundenen Lebensperspektiven. Die prinzipielle Anerkennung von
Konkurrenz, Selektion und "unterschiedlichen Klassen" innerhalb der
Gesellschaft wird u.a. durch Folgendes erreicht: Die Höherstellung der
Lehrkraft, die Konkurrenz unter den Schüler/innen mittels Noten, dem
Profilierungsdruck im Unterricht und das allgemeine Erbringen von Leistung und deren Nachweisen
(Tests, Klausuren). Damit spiegelt Schule Gesellschaft wider. Wer aus der
Schule "entlassen" wird, findet die gleichen Bedingungen auch in der
Ausbildung, auf der Arbeit und beim Ämtergang vor.
Funktion von Schule in der
utopischen Gesellschaft Ausgehend von unserem Menschenbild und der Kritik am bestehenden
Schulsystem stellen
wir uns die Schule der Zukunft anders vor:
Schule als Lebensraum ist Teil der
Gesellschaft. Das
Leben fängt nicht nachmittags an, wenn die Schule aus ist. Es gliedert sich
nicht in Einheiten von Minuten. Im Gegenteil
ist die Schule Ort des lebendigen Lebens: Lernen, Ausprobieren, Üben, Essen,
Sport, Spaß und Ruhe – all das findet selbstverständlich in der Schule statt. Dabei
wird die Schule auch zum Zentrum gemeinschaftlichen Lebens: Abends trifft sich die
Falkengruppe dort und diskutiert, der Sportverein nutzt selbstverständlich die Turnhalle
und gleichzeitig findet eine Probe des Stadtteiltheaters in der Aula statt. Hausrecht
hat nicht die/der Schulleiter/in, das Gebäude ist eine öffentliche Einrichtung und wird von jeder und jedem aus dem Stadtteil
genutzt.
Schule ist der progressive Teil der
Gesellschaft. Querdenken
ist explizit erwünscht. Gemeinsam formen Schüler/innen und Lehrer/innen die
Gesellschaft von morgen. Kreativität, Ausprobieren, Kopfrocken und Träumen –
ja, bitte!
Schule ist ein geschützter Raum für
Kinder und Jugendliche. Konkurrenz ist in der Schule fehl am Platz. Noten und Abschlussprüfungen
als Selektionsmechanismen gibt es in der Schule nicht. Lehrer/innen helfen
durch konstruktive Rückmeldung zum individuellen Lernprozess der Schüler/innen.
Jede und jeder hat ein Recht, sich auzuprobieren. Dies kann in der Schule
stattfinden – sie ist das Labor des Lebens oder außerhalb. Die Schule ist auch
der Ort, an den man nach einem Ausflug
in den Rest der Gesellschaft immer zurückkehren kann.
Schule ist ein Ort des
partnerschaftlichen Umgangs. Der Lehrer oder die Lehrerin tritt als Helfer/in auf, nicht
als Unterrichter/in. Ihre/seine Rolle ist das Moderieren von individuellen
Lernprozessen, nicht das Füllen von Köpfen mit Wissen. Sie/er hat keine Autorität
qua Amt. Natürlich ist sie/er für ihre/seine Schüler/innen verantwortlich. Autorität
konstituiert sich daher im konkreten Fall qua Können oder Verantwortung. Es gibt
aber keine Hierarchie um der Hierarchie Willen. Auch die/der Schulleiter/n ist Gleiche/r
unter Gleichen. Eine Sonderrolle entsteht lediglich durch ihren/seinen Vertretungsauftrag
für die Schule.
Schule stellt Wissen bereit. Sucht man Wissen, ist die Schule
der Ort, es zu finden. In der Bibliothek, in den Köpfen von Mitschüler/innen
und Lehrer/innen steckt unendlich viel Wissen zu entdecken. Zugang zu modernen
Medien wie dem Internet ist eine Selbstverständlichkeit.
Schule ist ein Ort des gemeinsamen
Lernens. Lernen
findet in heterogenen, möglicherweise altersgemischten Gruppen statt.
Aufteilung nach Leistung gibt es nicht, vielmehr helfen die Schlaueren den
Schwächeren und profitieren davon selbst. Durch offene Formen des Unterrichts
(Freiarbeit, Gruppenarbeit mit unterschiedlichen Rollen, ...) hat jede/r
Schüler/in die Chance auf ihren/seinen eigenen Bildungsprozess. Die Lerngruppen
setzen sich aus allen Schichten der Gesellschaft zusammen. Lernmittelfreiheit
ist selbstverständlich, Mittagessen ist kostenlos, Schulgeld gibt es nicht. Niemand hat finanzielle Hürden beim
Besuch der Schule zu befürchten.
Schule ist eine Produktionsstätte. Gemüsegärten produzieren Essen für
die Schulküche, Werkstätten und Ateliers gibt es reichlich. Hergestellt werden
Dinge, die in der Schule Verwendung finden oder der Gesellschaft nutzen: Es
gibt eine Fahrradwerkstatt für die Schüler/innen und andere Menschen aus dem
Stadtteil, defekte Möbel in der Schule reparieren die Schüler/innen selbst, auf
schuleigenen Kunstauktionen werden die Skulpturen und Bilder der Schüler/innen
versteigert. Etwas herstellen dient nicht nur dem Lernen.
Schule ist ein demokratischer Ort. Es ist klar geregelt, welche
Entscheidungen das Kollektiv Schule für sich treffen kann und welche nicht. Die
Umgestaltung des Schulgeländes liegt in der Hand der Schule, der Lehrplan ist
vielleicht Produkt eines gesellschaftlichen Konsenses und nicht so einfach über
Bord zu werfen. Jede und jeder – egal ob Schüler/in oder Lehrer/in – hat eine
Stimme bei der Wahl des Schulparlaments. Im Parlament fallen alle
Entscheidungen, die für die Schule wichtig sind.
Bildungsziele/Erziehungsziele
In der Schule der Zukunft ist nicht mehr
die Verwertbarkeit das Ziel, sondern die Bildung selbst:
In sich vernetztes Wissen. Im
Selbstbildungsprozess der Schüler/innen geht es nicht um Fakten sondern um
vernetztes Wissen. Eine Information hat nur dann einen Wert,wenn sie an
Bekanntes anknüpft und eingeordnet werden kann. Dazu ist eine fachübergreifende Vernetzung auf
theoretische und praktische Weise notwendig.
Fächerübergreifen denken lernen. Aufteilung
von Wissen in Unterrichtsfächer ist willkürlich und findet deshalb nicht statt.
Gerade der Kontext macht Gelerntes wertvoll. Erst, wenn zum Beispiel Wissen aus
der Physik selbstständig auf das zu bearbeitende Werkstück oder die Diskussion
um Sinn und Unsinn von Atomkraft angewandt werden kann, ist Bildung gelungen.
Ganzheitlich bilden. Was für Pisa
gemessen und getestet werden kann oder später profitabel verwertbar ist, interessiert in der
Schule niemanden. Körperliche, musische, künstlerische Erziehung,
Geschichtsbewusstsein, Allgemeinbildung, Fachwissen, handwerkliche und philosophische
Fähigkeiten sind gleichberechtigt Ziel von Bildungsprozessen.
Kritisches Denken. Die Schule ist ein
Ort des Querdenkens. Dafür ist es notwendig, Dinge zu hinterfragen, sich eine
eigene Meinung zu bilden. Die Schule kann einen Ort dafür bilden und unter
Anleitung dazu beitragen das junge Menschen kritisch Denken und hinterfragen,
denn nur dadurch werden sie autonome Menschen.
Persönlichkeit bilden. In der Schule bildet sich
Selbstbewusstsein aus, denn jede/r kann etwas besonders gut. Jede/r
interessiert sich für etwas, die Schule bietet vieles an. Jede/r kann so
ihr/sein Lieblingsthema finden, die eigenen Interessen erforschen. Lehrer/innen
unterstützen bewusst bei der Suche nach interessanten Dingen/Themen – sie
bieten ihren Erfahrungsvorsprung den Schüler/innen an. Schule begeistert für
das Lernen und lehrt gleichzeitig, wie man lernt.
Vielfalt als Chance begreifen. Jede und jeder findet seinen Platz
in der Schule und bringt ihre/seine Stärken in die Gemeinschaft ein.
Migrant/innen sprechen vielleicht weniger Deutsch, dafür mindestens eine andere
Sprache, die sie anderen beibringen können. Förderschulen gibt es nicht:
Körperlich oder geistig eingeschränkte Menschen erhalten in der gemeinsamen
Schule für alle die Förderung, die sie brauchen. Die anderen Kinder lernen
dabei, auf sie Rücksicht zu nehmen, sie als ganz normalen Teil der Gesellschaft zu begreifen. Am Ende haben
so alle etwas davon.
Gleichberechtigung der Geschlechter.
Ein älteres Mädchen
zeigt den jüngeren Jungen, wie die Sägen in der Holzwerkstatt zu bedienen sind.
So eine Szene ist an der Schule ganz normal. Welches Geschlecht man hat, ist
für das Selbstbild der Schüler/innen ziemlich egal. Was man kann zählt! Jede/r
Lehrer/in ist in ihrer/seiner Ausbildung dafür sensibilisiert worden, Schüler
und Schülerinnen nicht aufgrund ihres Geschlechts unterschiedlich zu behandeln
und das trägt Früchte. Die Zeiten, in denen Naturwissenschaft eine Männerdomäne
war und kaum ein Junge freiwillig Fremdsprachen lernte, sind lange vorbei.
schulische Lehrinhalte sind Mittel zum
Zweck. Jede und jeder muss lesen, schreiben, rechnen und sich selbst Dinge
beibringen können. Es gibt eben grundlegende Fähigkeiten, ohne die man in der
Gesellschaft nicht weit kommt. Die Lehrer/innen beobachten jede/n Schüler/in
und helfen dabei, diese Grundlagen schnell und sicher zu entwickeln.
Verstandene und selbsterlernte Disziplin, Ordnung und Pünktlichkeit sind für
das Zusammenleben in einer Gesellschaft wichtig spielen ebenfalls eine wichtige
Rolle: Wenn man seine eigenen Aufzeichnungen nicht mehr findet oder nicht mehr
lesen kann, macht man sich das Leben nicht leichter. Sind mehrere Schüler/innen
verabredet, um gemeinsam etwas zu tun, ist es doof für die anderen, wenn jemand
zu spät kommt. Disziplin, Ordnung und Pünktlichkeit sind aber kein Selbstzweck!
Man lernt sie, weil sie nützlich sind, einem das Leben erleichtern. Nie würde
deshalb ein/e Lehrer/in wütend reagieren, wenn ein/e Schüler/in „zu spät“ zur Freiarbeit erscheint, denn schließlich schadet
sie/er damit ja niemandem.
Ökologisches Bewusstsein. Ob mit Sonnenstrom oder Windrad, die
Schule erzeugt viel Strom selbst. Die Anlagen dazu wurden von älteren Schülern
selbst installiert. Im schuleigenen Garten kann man ein Stück heile Natur
erleben. Mülltrennung ist selbstverständlich. Ökologie wird in der Schule groß
geschrieben, denn schließlich wissen die Schüler/innen, dass es ihre Welt ist,
die sie so schützen. Zu Hause erzählen die Schüler/innen davon und so breitet
sich Umweltbewusstsein im Stadtteil aus. Menschwerdung ist der Übergang von der
Fremdbestimmung in die Selbstbestimmung.
Ziel des Bildungsprozesses sind
mündige, kritische Menschen. Bewusst führen die Lehrer/innen deshalb nur so
stark, wie die Schüler/innen es brauchen. Die Jüngeren brauchen eine festere
Struktur, mehr Hilfe dabei, ihren eigenen Schulalltag zu organisieren. Die
Älteren arbeiten selbstständiger, fordern Hilfe ein, wenn sie sie brauchen.
Solidarität. Gelernt wird nicht im Klassen- oder
Jahrgangsverband. Die Schule ist eine Gemeinschaft, in der jede/r für jede/n
mit Verantwortung übernimmt. Ältere helfen den Jüngeren, Stärkere den
Schwächeren. Alle erfahren schnell, dass man mit Kooperation viel weiter kommt,
als mit Konkurrenz. Noten, Prüfungen und Frontalunterricht, die die Schüler/innen
in eine Konkurrenzsituation zueinander gebracht haben, sind deshalb abgeschafft.
Forderungen an die aktuelle Schule
Viele unserer Forderungen und Überzeugungen
müssen nicht erst auf den Sozialismus warten, bis sie umgesetzt werden
können. Schule lässt sich auch innerhalb des Kapitalismus verändern und
so für die Schülerinnen und Schüler menschlicher machen.
Das gegliederte Schulsystem gehört
abgeschafft: Anzustreben ist eine Gemeinschaftsschule. Eine gemeinsame
Schule für alle muss eine Schule sein, die Verschiedenheit respektiert und
nicht von alles das Gleiche verlangt, so dass beim miteinander und voneinander
Lernen individuelle Fähigkeiten und soziale Kompetenzen optimal entwickelt
werden können.
Integration und Förderung: Die
Förderung stärkerer und schwächerer Schüler/innen soll innerhalb der
Gemeinschaftsschule erfolgen, man lernt mit- und voneinander. Keine gesellschaftliche
Gruppe darf ausgeschlossen werden. Die Gemeinschaftsschule muss auch integrativ
sein, das heißt, dass auch Kinder und Jugendliche mit Behinderungen gemeinsam
mit Nichtbehinderten lernen.
Mitbestimmungswille,
Partizipationsbereitschaft und demokratisches Verständnis müssen gelernt
werden. Eine Gesellschaft lebt von kritischen, selbstverantwortlichen Menschen,
die sich für die eigenen und die Interessen der Gemeinschaft einsetzen. Kinder und Jugendliche haben ein
Recht auf Partizipation, ein Recht auf
demokratische Mitbestimmung. Wo sonst
lernen sie demokratisches Verhalten besser und spielerischer als in ihren
direkten Lebensbezügen. Demokratie muss klein anfangen. Demokratische
Beteiligung muss der Zielgruppe angepasst, altersgerecht, nachvollziehbar und
für die Kinder und Jugendlichen überprüfbar sein. Mitbestimmung macht auch vor
den Unterrichtsinhalten nicht halt.
Noten gehören abgeschafft! Noten
bewerten die Leistung von Schülerinnen und Schülern, geben einen Überblick für
diese und deren Eltern. Sie sind aber auch eine Kennziffer für die Verwertung
am Arbeitsmarkt, bestimmen die weitere schulische und berufliche Laufbahn und
klassifizieren Kinder und Jugendliche nach gut und schlecht. Eine Schule ohne
Noten und ohne Sitzenbleiben vergleicht nicht die Leistung der Schüler/innen
untereinander, sondern hilft die Lernfortschritte jeder/s Einzelnen sichtbar zu
machen. Die Wirkungen der klassischen Leistungsbeurteilung sind mitunter verheerend:
Frühe und dauerhafte Misserfolgserlebnisse behindern die Entwicklung des Selbstwertgefühls,
des Selbstvertrauens, der Lernfreude und der Erfolgszuversicht. Angst vor
schlechten Noten verursacht Schulunlust sowie Prozesse der Verdrängung, Resignation
und Aggression. Kinder und Jugendliche sind keine Versager, sie werden durch
Noten dazu gemacht!
Schule endet mit dem Gong: Gute
Schüler/innen werden durch Hausaufgaben nicht unbedingt noch besser, und
schlechte Schüler/innen begreifen Zuhause durch bloßes Wiederholen noch lange
nicht, was sie schon am Vormittag nicht richtig verstanden haben. Hausaufgaben
haben die erzieherische Bedeutung der individuellen Pflichterfüllung und
Disziplin. Kinder und Jugendliche müssen mit dem Ende des Schultages schulfrei
haben!
Lehrer/innenaus- und Fortbildung verbessern:
Lehrer/innen sind nicht nur Fachlehrer/innen, sondern auch Pädagogen/innen. Die
Lehrer/innenausbildung muss eine stärkere Verzahnung von Theorie und Praxis
ermöglichen. Kontakt mit Schüler/innen ist bereits im Grundstudium notwendig,
um es später nicht zu einem Praxisschock kommen zu lassen. Außerdem soll im
pädagogischen Teil der Ausbildung und kontinuierlichen Fortbildung mehr als
Fachdidaktik vermittelt werden: Der Umgang mit Schüler/innen-Mobbing, Gewalt, Rassismus,
sexuellem Missbrauch usw. gehört ebenso dazu wie eine interkulturelle
Ausbildung für alle angehenden Lehrer/innen.
Religion ist Privatsache: Religion hat nichts im Unterricht zu
suchen. Wenn Gott auf dem Stundenplan steht, übernimmt der Staat eine Aufgabe,
die nicht seine ist. Um Glauben zu praktizieren, braucht es keine Schulen.
Kirchen und Religionsgemeinschaften
unterhalten eigene Räume. Es gibt Gemeindehäuser, Moscheen und Tempel.
Gesellschaftskritik lernen: Neben der Wissensvermittlung
müssen auch die gerade aktuellen gesellschaftlichen/politischen Themen
diskutiert werden. Kritikfähigkeit muss gelehrt und gelernt werden, um die um
die Grundlagen der Gesellschaft kennen zu lernen, zu kritisieren und zu Verändern.
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