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Schüler und Schülerinnen kritisieren mangelnde
Gesprächsbereitschaft
Eine
Delegation aus neun Braunschweiger Schülern und Schülerinnen vom AK Schulstreik und
Stadtschülerrat traf diese Woche Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann in
Hannover, um über die Forderungen der mehr als 8.500 Demonstranten des
Braunschweiger Schulstreiks im November zu verhandeln. Da in Braunschweig auch
Eltern und Lehrer für eine bessere Bildungspolitik demonstriert haben, wurden
die SchülerInnen von Regina de Rose (Stadtelternrat) und Brunhilde Eilers (GEW)
begleitet.
Die
Ministerin hörte sich die Forderungen an, da sie vom Ministerpräsidenten
Christian Wulff den Auftrag bekommen habe, eine Zuhörerin zu sein, wie sie
sagte.
„Antworten
gehören offenbar nicht zu ihren Aufgaben.“, kommentiert Franziska Rein vom AK
Schulstreik das Ausweichen der Ministerin auf die Fragen der Schüler.
So machte die Ministerin
keine Angaben zu den Forderungen nach kostenloser Bildung, weniger
Leistungsdruck, Abschaffung der Kopfnoten für Sozialverhalten und längerem
gemeinsamen Lernen. Stattdessen rechnete sie vor, dass statistisch für jeden
Schulabgänger des bevorstehenden doppelten Abiturjahrgangs ein Ausbildungsplatz
zur Verfügung stehe.
Zu
der Forderung nach Mitbestimmung der SchülerInnen bei der Themenwahl im Unterricht
sagte die Ministerin auch einmal offen, dass sie dagegen sei. Was die
Kultusministerkonferenz in langen Verhandlungen beschließe, sollten die SchülerInnen
nicht in Frage stellen. Die Einigkeit der Bildungspolitik der Länder sei gefährdet.
„Von einer gemeinsamen bundesweiten Bildungspolitik zum Wohle der Schüler und Schülerinnen sind
wir jedoch weit entfernt“, stellt die Schülerin Kristina Sumpf fest. „Für mich
klingt das nach einer Ausrede der Kultusministerin. Sie ist unwillig uns
SchülerInnen mehr Mitbestimmungsrechte einzuräumen. Schließlich ist neben den
Kerncurricula noch genug Raum, in dem Schüler nach ihren persönlichen
Interessen lernen könnten“, sagt sie.
Das
Problem der zu großen Klassen teilte die Ministerin. Allerdings habe sie kein
Konzept, das Manko zu beheben. Es sei ein Teufelskreis, dass die
Arbeitsbedingungen für Lehrer so schlecht seien, dass niemand mehr Lehrer
werden wolle und somit auch keine zusätzlichen Lehrer vorhanden seien, um die
Arbeitsbedingungen zu verbessern. Sie forderte die Schüler auf, eine Lösung zu
präsentieren.
Einen
Lösungsvorschlag haben die Braunschweiger durchaus: Brunhilde Eilers von der
GEW forderte bezahlte Fortbildungen für Lehrer in Mangelfächern und die Schüler
empfehlen zusätzliche Studienplätze für angehende Lehrer und die Aufhebung
aller Zulassungsbeschränkungen wie Notenschnitt und Studiengebühren. Doch beim
dem Thema hatte die Ministerin keine Zeit mehr und lies die Braunschweiger
Delegation mit ihrem Referenten, Herrn Bade, zurück. Dieser vertrat die
Meinung, dass man doch dankbar sein sollte, dass die Ministerin sich überhaupt
Zeit genommen habe, die Braunschweiger Schüler, Eltern und Lehrer zu empfangen.
Caroline
Schöps vom Stadtschülerrat ärgerte sich über diese mangelnde Wertschätzung der
Braunschweiger Delegation: „Nur eine Stunde Zeit für die Anliegen von mehr als
8.500 Demonstranten ist zu wenig. Dass die Ministerin dann auf viele
Forderungen, wie die nach kostenlosen Lehrmitteln gar nicht eingegangen ist,
zeigt, dass weiterer Gesprächs- und Handlungsbedarf vorhanden ist.“
„Im Ministerium herrscht Kurzsichtigkeit,
Planlosigkeit und Stillstand. Wenn wir Schüler, Eltern und Lehrer nichts
bewegen, dann bewegt sich nichts!“, fasst Torsten Englisch, mit 14 Jahren
jüngstes Delegationsmitglied, seine Enttäuschung über das Gespräch zusammen.
((Pressemiteilung des AK Schulstreik)
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