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‚Erinnern gesucht’?! – Hier nicht gefunden!

böse2.jpgKritische Stellungnahme der Falken zur Veranstaltung ‚Erinnern gesucht’, veranstaltet vom Fachbereich  Kultur  der Stadt Braunschweig

 

Heute findet hier eine Veranstaltung statt, die der Opfer des alliierten Bombenangriffs im Oktober 1944 gedenkt. Ohne die persönliche Betroffenheit die aus den Dokumenten spricht, abstreiten zu wollen, ist eine Thematisierung des Ereignisses ohne eine entsprechende Kontextualisierung verfälschend. Verfälschend deshalb, weil die, die hier mit emotional aufgeladenen Bildern als Einzige als Opfer benannt werden, zu den TäterInnen gehörten.

 


Der Hintergrund der Geschehnisse 1944 war die Shoah als eine industrielle und akribisch geplante Massenvernichtung von Menschen – dies wird in der Einladung zu dieser Veranstaltung noch nicht einmal erwähnt. Hinzu kommt, dass der Bombardierung Braunschweigs fünf Jahre deutscher Angriffskrieg und damit verbundenen Bombardierungen europäischer Städte vorausgingen.

 
Braunschweig im NS

 

Die Stadt Braunschweig war zentraler Bestandteil der dafür erforderlichen Rüstungsindustrie. Hier wurde der Flugzeugtyp BF110 gebaut, der von 1940 bis 1945 als Nachtjäger bei derartigen Bombardierungen eingesetzt wurde; auch das Reichsbahnausbesserungswerk, welches gepanzerte Lokomotiven herstellte, befand sich hier. Davon, dass diese Züge nach Auschwitz rollten, ist auszugehen.

 

uch in anderer Hinsicht ist die Braunschweiger Geschichte stark vorbelastet: Die nationalsozialistische Ideologie nahm hier schon besonders früh erschreckende Ausmaße an. Bereits 1930 gab es auf regionaler Ebene eine Regierungsbeteiligung der NSDAP, auf deren Bestreben hin Hitler die deutsche Staatsbürgerschaft erlangte. Die Bevölkerung ergriff auch in anderer Hinsicht Initiative: Noch vor der Reichspogromnacht kam es in der Stadt zum sogenannten Warenhaussturm, bei dem jüdische Geschäftshäuser angegriffen wurden. Diese zivilgesellschaftliche Massenbewegung wurde dabei nicht zuletzt auch von den Kirchen mitgetragen.

 

Frühe Opfer der menschenverachtenden Weltanschauung waren neben den jüdischen BewohnerInnen auch SozialdemokratInnen, GewerkschafterInnen und andere Menschen, die der nationalsozialistischen Ideologie nicht entsprachen. Auch die Falken als Sozialistische Jugend wurden 1933 verboten und waren daraufhin Verfolgung und Vernichtung ausgesetzt.

 

Diesen Opfergruppen wird durch fehlende Thematisierung im Aufruf zu dieser Veranstaltung die Stimme genommen. Eine entsprechende Negierung ist in Deutschland schon viel zu lange und oft Realität. Dies bringt eine Verschiebung von TäterInnen zu scheinbar unschuldigen Opfern mit sich. Diese Argumentationsweise weist mehr als nur Parallelen zur neofaschistischen Ideologie auf -  auch Neonazis propagieren eine solche Form des Geschichtsrevisionismus.

 

Wir sind schockiert über einen derart unreflektierten und dadurch verharmlosenden Umgang mit der deutschen Geschichte.

 

Für einen kritische Auseinandersetzung mit deutscher Schuld und nationalsozialistischer Vergangenheit!

 
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