Wir wollen ein Teil von Bad Harzburg werden! – Stellungnahme der SJ-Die Falken NDS zur Diskussion um die Falkenbildungsstätte in Bad Harzburg

Wir, die Sozialistische Jugend – Die Falken in Niedersachsen, wollen ein Teil von Bad Harzburg werden. Wir haben uns sofort in das Gelände, auf dem unsere neue Bildungsstätte entstehen soll, verliebt. Hier, am Stadtrand und doch mitten in der Natur, wollen wir unserem Verband und unserer Kinder- und Jugendarbeit ein Zuhause geben. Viele Kinder und Jugendliche sollen hier erfahren, was auch wir hier schon erfahren durften: Die Schönheit der Natur und die Möglichkeit, Träume wahr werden zu lassen.

Doch droht jetzt ein Aus für unser Projekt, nachdem einige Anwohner*innen Einwände gegen die Bildungsstätte in der Nachbarschaft in einem offenen Brief kundtaten. In der Goslarschen Zeitung steht, dass einige der im Rat vertretenen Parteien (CDU/Grüne/Freie Wähler/AFD) wohl nicht für die Erlaubnis für die Erstellung eines Bauplanes geben könnten. Damit würde das Projekt zur Errichtung einer Bildungsstätte scheitern. Wer wir genau sind, was wir mit der Bildungsstätte planen und wie die Kommunikation zu den Anwohner*innen und politischen Entscheidungsträger*innen der Stadt lief und läuft, steht im folgenden geschrieben.

Die Sozialistische Jugend – Die Falken ist ein unabhängiger politischer Kinder- und Jugendverband in dem sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene organisieren. Die Tätigkeiten beziehen sich auf die Arbeit von und mit jungen Menschen im Sinne des SGB VIII, insbesondere die Arbeit im Bereich der Jugendhilfe: Bildung, Erziehung und sinnstiftende Freizeitgestaltung. Ein besonderes Ziel unseres Verbandes ist es, selbstorganisiert und eigenverantwortlich, gemeinschaftliche Aktivitäten zu organisieren und für die eigenen Belange einzutreten.

Wir Falken arbeiten seit nun mehr als 3 Jahren daran, eine neue Bildungsstätte in Niedersachsen zu schaffen und haben dafür nun im letzten Jahr ein Gelände in Bad Harzburg erworben. Es liegt am Stadtrand, ist aber gut mit der Bahn zu erreichen und soll nun in den kommenden Jahren mit viel Engagement der Ehrenamtlichen zu einem Selbstversorgerhaus mit angeschlossenem Zeltplatz für unsere Zeltlager umgestaltet werden. Pläne dafür wurden mit einem Architekten in Rücksprache mit einer eigens eingerichteten Projektgruppe der Falken Niedersachsen erarbeitet. Finanziert wurde der Kauf dann schließlich durch Eigenmittel, Spenden von vielen aktiven und ehemaligen Falken und einem Kredit der GLS-Bank.

Um unsere Pläne auch vor Ort zu präsentieren und die Weichen für die behördlichen Genehmigungen zu stellen, gab es bereits seit 2020 verschiedene Gespräche mit dem Bürgermeister Abraham, der auch unser Sommerfest vor Ort besuchte, mit dem örtlichen Bauamt und mit den entsprechenden Behörden des Landkreises in Goslar, wo wir unser Projekt und unsere Ideen vorstellten und erste Ratschläge für das weitere Vorgehen einholten. Dafür haben wir im letzten Jahr der Abteilung für Stadtplanung und Umweltschutz unser Projekt vorgestellt und einen Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplans und Änderung des Flächennutzungsplans eingereicht.

Im Rahmen eines Bauleitverfahren erstellt das von uns beauftragte Fachingenieursbüro Drees & Huesmann einen Bebauungsplan, der die zukünftig mögliche Nutzung des Geländes beschreibt und bereits entsprechende Maßnahmen wie Naturschutz, Schallschutz, etc. durch entsprechende Berichte und Beurteilungen umfasst. Dieser Plan wird dann öffentlich im Rathaus ausgelegt und Bürger*innen können den einsehen. Darüber hinaus sind auch Termine für Anwohner*innen und andere Interessierte vor Ort geplant. Änderungen und Einwände können formuliert werden, so dass das Fachbüro dann entsprechend darauf eingehen und ggf. Einwände mit in einen überarbeiteten Plan einarbeiten kann. Dieser wird dann zur Beschlussfassung dem Rat vorgelegt wird.

Wir stehen also mit unserem Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplans ganz zu Beginn eines beteiligungsorientierten Prozesses. Diesen wollen wir gerne mit Anwohner*innen und Interessierten gestalten. Wir wollen, dass unsere Bildungsstätte vor Ort gut verankert ist und ein bereichernder Ort im Stadtviertel und in der gesamten Stadt wird.

Nun ist als Reaktion auf die Vorstellung unseres Projekts in der Abteilung für Stadtplanung und Umweltschutz bereits einiges in Bewegung geraten. Anwohner*innen des Goethewegs haben sich mit einem offenen Brief an die Ratsfraktionen und die Presse gewandt und ihre Bedenken gegen eine Bildungsstätte geäußert.

Befürchtungen, welche Auswirkungen unsere Bildungsstätte auf ihre Lebens- und Wohnqualität am Goetheweg und das angrenzende Naturschutzgebiet haben werden, wurden geäußert – Bedenken, die in einem gemeinsamen Austausch miteinander und im Rahmen des von uns beantragten Bauleitplanungsprozesses gut bearbeitet und in unsere Planungen mit aufgenommen werden können. Wir freuen uns auf diese Auseinandersetzung und einen konstruktiven Austausch.

Wir wollen auf dem von uns erworbenen Gelände, ein ehemaliger Obsthof mit überwiegend landwirtschaftlichen Nutzflächen und mit mehreren existierenden Gebäuden, energieeffizient und umweltfreundlich renovieren und umbauen. Um die bestehende Wiese für das Aufstellen von Zelten nutzen zu können, wollen wir sie terrassieren und den dabei entstehenden Abraum als Lärmschutzwall aufschieben, den wir dann auch bepflanzen wollen.

Ein Umweltgutachten, dass schützenswerte Tiere und Pflanzen auf dem Gelände erfasst und Vorschläge zum Schutz und zur naturnahen Gestaltung des Geländes geben wird, ist im Rahmen der Bauleitplanung bereits projektiert und wird vom Büro Höke Landschaftsarchitektur I Umweltplanung, Bielefeld erstellt. Wir wollen an dem Gelände wenig verändern und auch den bestehenden Baumbestand, weitgehend erhalten.

Nutzen wollen wir das Gelände für verschiedene Maßnahmen der Kinder- und Jugendarbeit, der politischen Bildung und der Erwachsenenbildung. Unsere verbandlichen Pläne umfassen dabei unsere Zeltlager in den Sommerferien, an Himmelfahrt und Pfingsten, Bildungsseminare im Rahmen unserer Tätigkeit als anerkannter Träger der Jugendarbeit, internationale Begegnungen mit unseren Partnerorganisationen und Erholungsfahrten mit Kindern und Jugendlichen.

Auch Kinder- und Jugendgruppen können sich vor Ort treffen und Aktionen und Projekte geplant und umgesetzt werden. Darüber hinaus soll unser zukünftiges Haus und Gelände dann auch anderen Jugendverbänden, Jugendgruppen und freien Trägern, aber auch Anwohner*innen zur Verfügung stehen. Mit Arbeit und Leben, dem Bildungsträger der Gewerkschaften, haben wir schon eine Zusammenarbeit vereinbart.

Darüber hinaus gibt es aber auch durch Anwohner*innen vorgebrachte Vorbehalte gegen uns als Träger der zukünftigen Bildungsstätte. Wir denken, dass es deshalb gut ist, auch etwas zu uns und unserem Selbstverständnis, unserer Geschichte und unser pädagogischen und politischen Arbeit zu sagen.

Die Sozialistische Jugend – Die Falken ist ein Kinder- und Jugendverband und anerkannter Träger der Jugendarbeit aus der Arbeiter*innenbewegung mit einer über hundertjährigen Geschichte. Im Umfeld der SPD entstanden, sind wir ein parteipolitisch unabhängiger Verband. Wir stehen ein für ein solidarisches Miteinander, gesellschaftliche Teilhabe und demokratische Organisierung. Wir arbeiten überwiegend für und mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen, seien sie arm, von Rassismus betroffen, aufgrund sexueller Orientierung ausgegrenzt oder einfach nicht so, wie viele andere Kinder und Jugendliche.

Kinder und Jugendliche lernen und leben bei uns demokratische Mitbestimmung, Selbstorganisation und Wirkmächtigkeit als Individuen und als Teil einer Gruppe und eines Verbandes. Die Rechte von Kindern und Jugendlichen sind Grundlage unserer pädagogischen Arbeit. Zwang und Gewalt sind in unserer Arbeit geächtet. Wir arbeiten mit etablierten Konzepten zur Prävention von und Intervention bei sexualisierter Gewalt. Wir arbeiten geschlechtersensibel, rassismuskritisch und mit internationaler Ausrichtung.

Wir Falken waren in der DDR verboten, Mitglieder unseres Verbandes wurden in der DDR wegen ihrer Mitgliedschaft in unserer Organisation ermordet. Historisches Bewusstsein und Verantwortung für die eigene Historie und die Geschichte der sozialistischen Bewegung, von der wir ein Part sind, ist Teil unserer Identität. Sie betrifft die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands und ihren Kontinuitäten. Aus ihr speist sich unsere antifaschistische Haltung. Wir gehen dabei auch in eine Auseinandersetzung mit den sich sozialistisch gebenden Herrschaftssystemen der ehemaligen Sowjetunion oder der DDR, aus der unsere Kritik an jedem sich sozialistisch gebenden Autoritarismus speist. Eine solidarische und demokratische Gesellschaft kann man nicht von Oben mit Zwang verordnen, sie muss gelebt werden und in der Auseinandersetzung mit Anderen geschaffen werden.

Angesprochen wurde aber auch die Angst vor möglichen Auseinandersetzungen mit rechter Gewalt. Wer für eine demokratische und solidarische Gesellschaft öffentlich eintritt, muss leider immer wieder damit rechnen, ins Fadenkreuz rechter und faschistischer Gruppen und Organisationen zu geraten. Auch wir Falken sind in den letzten Jahren, in denen Rechte sich leider immer stärker gefühlt haben, immer wieder Opfer von Bedrohungen und Angriffen geworden.

Wir können deshalb diese Angst gut verstehen, denn wir müssen täglich damit umgehen. Und natürlich können wir es gut nachvollziehen, wenn man Angst hat, solche Übergriffe könnten sich dann auch in der eigenen Nachbarschaft ereignen. Aber diejenigen, die Ziele rechter Gewalt werden, dafür verantwortlich und ursächlich zu machen, ist nicht okay.

Auch wir brauchen einen Ort, wo wir sicher unserer pädagogischen Arbeit nachgehen können. Umso mehr sind wir auf eine gute Nachbarschaft angewiesen. Wir sind freiheitliche Sozialist*innen, bei uns haben viele Positionen, Meinungen und Haltungen Platz. Sich dabei auch zu streiten, gehört dazu. Aber wir sind immer bereit, Interessensgegensätze und Meinungsverschiedenheiten in gut gestalteten demokratischen Aushandlungsprozessen zu klären. Einen solchen Prozess wünschen wir uns auch für die kommende Zeit in Bezug auf unsere Pläne für eine neue Falken-Bildungsstätte in Bad Harzburg. Wir freuen uns, mit Interessierten, aber auch mit widersprüchlichen Meinungen in Kontakt zu kommen.

Wir haben in den letzten Jahren viel Arbeit und Energie in unseren Traum einer neuen Bildungsstätte in Bad Harzburg gesteckt und dieser Traum hat unseren Verband und die bei uns aktiven Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auch über die lange Coronazeit gebracht. Das Wissen um einen eigenen Platz, den man gestalten und auf dem man die lange vermissten Zeltlager und Gruppenfahrten durchführen kann, hat uns Kraft gegen. Wir konnten das Gelände bereits nutzen, um Möglichkeiten für Kinder- und Jugendarbeit zu schaffen und Kindern und Jugendlichen zumindest einen Teil ihres sozialen Lebens zu ermöglichen. Das wollen wir auch in Zukunft tun und sehr gerne in Bad Harzburg, denn der Platz und die Stadt sind bereits jetzt ein Teil unserer Geschichte geworden.

Unser Gruß heißt Freundschaft! Mit dieser Haltung der Freundschaft wollen wir auf alle Nachbar*innen zugehen und freuen uns auf die zukünftige Zeit und die hoffentlich lebhaften Auseinandersetzungen.

Freundschaft!

Die Sozialistische Jugend – Die Falken Niedersachsen

Kontaktieren können Sie uns folgendermaßen:

Sozialistische Jugend – Die Falken

Landesverband Niedersachsen

http://falken-niedersachsen.de

bildungsstaette-bad-harzburg[ätt]falken-niedersachsen.de

Oder sie wenden sich direkt an unseren Landesbildungsreferenten Christopher Krauß

christopher.krauss[ätt]falken-niedersachsen.de

01577-6432366